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WILDSTYLE & TATTOO MESSE 2010 | 15 YEARS ANNIVERSARY

Initiiert von Jochen Auer & Toni Walzer in Kooperation mit Clayton Patterson 1995

Concepts & Entertainment GmbH | Steinbruch 1 | A-4820 Bad Ischl/AUSTRIA | linkwww.wildstyle.at
TAGGED: linkTOURDATEN + INFO + INTRO PATTERSON + INTRO AUER + PUBLIKATION

TOURDATEN:

LINZ | Designcenter | 9. + 10. Oktober 2010
GRAZ | Helmut List Halle | 16. + 17. Oktober 2010
SALZBURG | Messehalle 1 | 23. + 24. Oktober 2010
INNSBRUCK | Messehalle 3 | 30. + 31. Oktober 2010
STUTTGART | Carl Benz Arena | 6. + 7. November 2010
BOCHUM | Ruhrcongress | 13. + 14. November 2010
HOHENEMS | Eventcenter | 20. + 21. November 2010
WIESBADEN | Rhein-Main Halle | 27. + 28. November 2010
M�NCHEN | Event-Arena/Olympiapark | 4. + 5. Dezember 2010
WIEN | Planet.tt im Gasometer | 9. + 10. April 2011

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INFO:

Nach dem sensationellen Comeback der WILDSTYLE & TATTOO MESSE bei der grossen Reunion-Show im April 2010 in Wien ist es uns eine sehr grosse Freude hiermit und zum 15jährigen (!!) Jubiläum die "15Years Anniversary Tour" anzukündigen!!

Bei der Wildstyle & Tattoo Messe im April 2010 in Wien, die unter dem Titel "The Reunion of the Original" stattfand, waren u.a. Stargäste wie U.S.A. Tattoo Legende Jack Rudy, Bernie Luther, Shinji Horizakura (Horitoshi Family), Mike Bellamy, Mick Tomo, Tattoos to the Max, Clayton Patterson (Amerikas Underground Reporter Nr.1), Steve Bonge & Billy Monroe (Beatniks CarClub), John Kamikaze - The Prince of Pain, Lucky Diamond Rich - Worlds most Tattooed Person u.v.v.a dabei!!

Neben den vielen Stargästen aus aller Welt waren über 70 Aussteller aus 15 Ländern dabei. Tattoos, Piercing, Extravagante Mode, Bikerwear, Clubweard, Schuhe, Schmuck, Accessoires, Dessous, Headshops, Indian Style, HotRod & Rockabilly Fashion, Skate & Funsport, Custombikes & Zubehör, u.v.m...

Das sensationelle Showprogramm bestritten die weltweit bekannte Modern Primitives Freakshow, die neue Zirkusproduktion "Circus of Rock - The Show", das virtuelle Museum of Body Cults, sowie die Wildstyle Girls mit ihrer Lack & Leder Performance!

AB HERBST 2010 wird die Wildstyle & Tattoo Messe in dieser Form inklusive dem aufwändigen Showprogramm auf Tournee gehen.

Internationale Top-Tätowierer, dutzende internationale Aussteller, die weltweit bekanntesten Freaks in der atemberaubenden Freakshow "The Modern Primitives", die brandneue und sensationelle Zirkus Show "Circus of Rock" viele Stargäste der internationalen Szene, Filmvorführungen, Wildstyle-Foto Corner und vieles mehr wird das Publikum auch 2010 und auf Tour begeistern.

WILDSTYLE & TATTOO MESSE - The Reunion of the Original zum 15jährigen Jubiläum!!

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EINFÜHRUNG VON CLAYTON PATTERSON (2003)

Im Jahr 1995 haben Jochen Auer und sein damaliger Partner Toni Walzer eine völlig neue Idee geboren. Die zwei ahnten, dass sie eine neue Art der Familienunterhaltung kreieren könnten, bei der sie Themen und Trends aufgreifen, die einen Teil des kollektiven Bewusstseins der Kids der 90er ansprechen würde. Jochen und sein Team wussten über Trends der Körperkunst und des „Modernen Primitivismus“ Bescheid, die zu einem großen Spektakel kombiniert werden könnten, und sowohl bei Szeneinteressierten als auch beim Familienpublikum Anklang finden würde. Die ehrgeizige Gruppe von Österreichern organisierte eine große Europa-Tour mit dem Namen Wildstyle.

1995 erhielt ich einen Anruf von einem Fremden, der den Präsidenten der New Yorker Tattoo Society sprechen wollte. Als mir die Person am anderen Ende der Leitung, Jochen Auer, von einer Show in Österreich  namens Wildstyle erzählte, horchte ich auf. Er wollte wissen, ob es mir möglich wäre, ihn mit einigen wichtigen amerikanischen Tätowierern sowie Sideshow-Künstlern in Kontakt zu bringen. Das sollte kein Problem sein, sagte ich. Als Boss der Tattoo Society war ich mit der New Yorker Szene ziemlich vertraut und wusste auch über die amerikanische Szene bescheid. Und ich kannte natürlich auch einige exzellente Künstler und Sideshow-Performer.

Jochen wollte, dass die Wildstyle eine professionelle Produktion würde, und keine zweitklassige Show. Er hatte geplant, dass die Tour in großen Hallen stattfinden, die Bühnenshows mit professionellem Licht und Sound-System ablaufen und auch angesagte Aussteller und Shops in der Arena dabei sein sollten. Er wollte Tätowier-Künstler und Sideshow-Performer mit großen Namen. Zu dieser Zeit waren auf Sideshow-Veranstaltungen noch keine Tätowierer oder Verkaufsstände. Im Sinne einer Kombination dieser zwei oder drei Schwerpunkte, war Jochens Idee revolutionär. Also trat ich mit Künstlern in Kontakt die ich kannte. Viele waren einverstanden an der Show, die Jo­chen zusammenstellte, teilzunehmen. Historisch bedeutende Tätowierkünstler wie Spider Webb, Gil Montie, Bill Beccio oder Sean Vazquez meldeten sich an. Ebenso die Performance-Künstler FirePlay, ein erotisches Künstlerpaar, oder Ula & Sharka, the pain proof rubber-girls, Slymenstra Hymen von der Rockband Gwar und The Girlie Freakshow, Patrick the pain proof man, Indio, Entfesselungskünstler und Feuerspucker sowie der extravagante Sideshow-Artist Harley Newman. Dann kamen Lucifire, eine große Künstlerin aus Schottland; Mr. Spoons der Zehen klopfende, Finger knallende Löffelmann; Lyla die mit dem Feuer spielt; Kiva, die feuerschluckende Diva; Mr. Sideshow himself: Todd Robins und Reverend B. Dangerous, ein fantastischer „scheußlicher" Akteur. Auch Steve Bonge war mit dabei, einer der wichtigsten Tattoo-Fotografen der 80er und 90er Jahre. Und ich, ich schätze mich glücklich, auch selbst eingeladen worden zu sein. Ich machte Fotos und Videoaufnahmen der gesamten Show und präsentierte eine mobile Foto- und Videoausstellung. Ich habe eine große Sammlung von Foto- und Videomaterial, die ich im Laufe der Jahre gemeinsam mit meiner Frau Elsa Rensaa zusammengetragen habe. Der Großteil unserer Sammlung stammt aus der Lower East Side in NYC. Während der Tour zeigte ich einige meiner klassischen Underground-Aufnahmen: den letzten Auftritt von G.G. Allin, den Lifestyle, der Satan Sinner Nomads, Straßenkämpfe und so weiter.

Die erste Wildstyle in Wels 1995 begann mit einiger Verwirrung. Nur Stunden, sogar Minuten vor der Eröffnung war niemand sicher, ob die Show überhaupt eröffnet werden dürfte. Die Behörden, die die Genehmigungen ausstellten, wussten nicht, wie sie mit den Themen Tätowieren und Piercen umgehen sollten. Die Polizei versuchte die Show zu stoppen. Die Behörden hatten keine Ahnung, wie mit Tätowieren, geschweige denn mit Piercing - das 1995 in Österreich noch weit jenseits der Vorstellungskraft der meisten Beamten lag - umzugehen oder zu verfahren sei. Mit einiger Verspätung und nach bürokratischen Verhandlungen zwischen Jochen und der Polizei wurden die Tore jedoch geöffnet und der Druck von den Besuchern genommen, der durch die lange Warteschlange entstanden war und die Show konnte starten.

Das Publikum war in Massen gekommen und war von der Show sehr angetan - besser gesagt: es liebte sie.

Die nächste Station war Wien. Die Wildstyle ist keine herkömmliche Tattoo Convention. Zusätzlich zum Tätowieren und Piercen wurden Custom Trucks und Custom Bikes sowie ein bunt gemischtes Angebot von Haarstyling, Marihuana-Zubehör, Modedesign, Schmuck, exotische Tänzerinnen, Modeschauen, Lack/Leder/Latex-Shows, CD-Shops, Stammeskunst, Videoshows, Fotoausstellungen und viele andere Shows und Vorführungen unter einem Dach vereint.

Diese Ansammlung verschiedenster Attraktionen war es, die das Publikum in Massen anzog. Mit der Wildstyle unterwegs zu sein war eine wunderbare Erfahrung. Zu den Höhepunkten zählte für mich auch die Zeit, als ich John und Pug von Wildcat Body Jewelry aus England kennen lernte.

Wildcat boten nicht nur Schmuck an, sondern auch eine große Auswahl an Büchern, Fotos und Videos, die verschiedene Variationen von Body Suspension, Bell Dancers und Extrem-Piercing zeigten. 1995 glaubten viele noch, das sei zu harter Stoff. Ich traf Olivier, einen Piercer aus Frankreich, der jetzt in Kanada lebt und der Piercing zum Zusehen sowie Scarification und Cutting vorführte. Olivier war auch insofern interessant, als er sechs Zentimeter lange Implantate in seiner Brust hatte - eine Körper-Modifikation die Mitte der 90er noch sehr ungewöhnlich war. Zufällig am Stand direkt neben Olivier verkaufte Steve Bonge sein Buch „Tattooed with Attitude", in dem auch Fotos von Olivier zu sehen sind.

Von der Wildstyle profitierten viele Teilnehmer auf verschiedenste Art. Birgit etwa, die als Body Painting Model und bei Fashion Shows mitarbeitete, schaffte es auch auf das Cover des Rolling Stones Albums „No Security Live". Reto, der wohl bekannteste Piercer Österreichs, gewann Preise u.a. auf Piercing Conventions in Italien und erreichte auch in anderen Ländern einen guten Bekanntheitsgrad nachdem er in Kontakt mit Wildcat und anderen auf der Tour getreten war. Reto leistete einen wichtigen Beitrag zur Kunst des Piercens. Beate hat sich mit ihrem Piercing Studio mittlerweile weltweite Anerkennung und somit den Zutritt zu vielen internationalen Conventions verschafft. Beate betreibt dank der Wildstyle nun auch den einzigen Piercing Stand der New York City Tattoo Convention.

Wir waren mit der gesamten Wildstyle Crew, zu der auch einige wunderschöne ungarische Frauen sowie Artisten und Tattoo-Künstler aus Amerika und Europa gehörten, unterwegs. Während dieses Abenteuers wurden viele von uns Freunde. Sean Vazquez zum Beispiel heiratete eine Österreicherin und hat mittlerweile ein Tattoo Studio in Salzburg eröffnet. Ich war glücklich, Europa besuchen, in renommierten Hotels wohnen und komfortabel reisen zu können. Es war großartig.

Der Osten Deutschlands war besonders aufregend, weil die Show Dinge zeigte, die der Bevölkerung noch ziemlich fremd waren. Die Ostdeutschen waren sehr enthusiastisch und ein sehr dankbares Publikum. Ich habe unvergessliche Erinnerungen an Dresden, Cottbus und Rostock.

Ich glaube, die Wildstyle trug viel dazu bei, Tätowieren und Piercen in Europa salonfähig zu machen. 1995 hatten Tätowieren und Piercen hauptsächlich in Österreich und Deutschland noch immer ein gewisses Außenseiterdasein und wurden immer wieder mit Kriminellen oder geistig Beschränkten in Verbindung gebracht. Vor Wildstyle gab es in Österreich noch keine große Tattooveranstaltung. Die amerikanische Kultur war mit dem Tätowieren vertrauter. Viele beliebte MTV Bands hatten Tattoos; Roseanne wurde im Fernsehen tätowiert, und Pariser Laufsteg-Models trugen Tattoos als Accessoires. Trotz alledem war Tätowieren in NYC noch illegal. Und Österreich und Deutschland, konservativer als Amerika, haben sich nie wirklich in dieser Intensität mit dem Tätowieren auseinander gesetzt, bevor es die Wildstyle gab.

Weit davon entfernt, nur das Thema Tattoos zu behan­deln, war die Wildstyle eine Art Familienunterhaltung, die eine breite Masse an Besuchern aus allen sozialen Schichten anzog, was dazu führte, dass sich viele Menschen, die nie ein Tattoostudio besucht hätten, sich tätowieren ließen. Es gab zehntausende Besucher, die das erste Mal Einblick in die Tätowierkunst hatten. Künstler, die vor großem Publikum agierten, und das jede Woche in einer anderen Stadt, wurden auf ihrem Gebiet immer professioneller. Indios Feuerauftritt beispielsweise war zu Beginn recht gut, aber nach mehreren TV-Auftritten und Zeitungsreportagen, Auftritten in großen, bekannten Hallen und vor großem Publikum wurde er zu einem perfekten Feuerkünstler. Die Tätowierer beeinflußten und inspirierten sich gegenseitig. Sie erkannten, dass sie alle etwas gemeinsam hatten. Während der Tour ließen sich viele Künstler große Halstattoos machen, was in den 90ern doch noch ziemlich radikal war. Die Wildstyle half, die Namen einiger dieser Tätowierer in Europa bekannt zu machen. Woche für Woche lernten viele Interessierte durch Zeitungen, Radio- und Fernsehberichten ihre Namen kennen.

Wildstyle war in Europa einzigartig. Es war ein breites innovatives Konzept, das für einige der weitbesten Talente warb. Wildstyle hatte auch chippendale-ähnliche Tänzer, aber für mich waren die Tänzerinnen die wirklichen Schönheiten. Einige der Ladies, großteils aus Ungarn, waren seither auch schon in Playboy- und Penthouse-Magazinen zu bewundern. Es war eine große, fantastische Ansammlung von Aspekten der neuen Körperästhetik, kombiniert mit Elementen der Jugendkultur, einer Menge interessanter Shows und einzigartigen Ausstellern unter einem Dach vereint und öffentlich zugänglich. In einigen Städten der Tour kamen bis zu 25.000 Besucher, Besucher jeden Alters und aus vielen Teilen Europas.

Wildstyle war für die Tattoo- und Piercing-Geschichte in Europa wichtig, weil es die erste Veranstaltung war, die sich auf die zeitgenössische Underground-Bewegung konzentrierte, und sie einem breiten Publikum zugänglich machte. Wildstyle war keine Tour um Bands zu promoten und Platten zu verkaufen, die andere schlecht bezahlte Acts mitschleppen. Nein! Es war eine vielfältige, sorgfältig konzipierte Show, die Könner zeigte und außerdem bekannte amerikanische Namen nach Europa brachte. Auf einer der vielen Stationen dieser Tour, quasi als Pause und „Belohnung“ für einige Gäste aus dem Publikum, buchte Jochen eine Show mit „The Jim Rose Circus“. Jim Rose war gerade auf Deutschland-Tour und wir kamen in den Genuss unserer eigenen Jim Rose-Show. Das war ein Höhepunkt.

Wildstyle und Österreich, speziell Bad Ischl, wurden zu einem wichtigen Teil in meinem Leben. Danke Wildstyle!

Publiziert in: Wildstyle, hrsg. von Clayton Patterson & Jochen Auer, Wien 2003

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EINFÜHRUNG VON JOCHEN AUER (2003)

Die Geschichte einer neuen Idee. Ja, die Geschichte einer in vielerlei Hinsicht bahnbrechenden und eine der innovativsten Ideen der neunziger Jahre in der Showbranche. Rund 500.000 begeisterte Besucher bei über 100 Shows haben die Wildstyle & Tattoo Messe von 1995 bis 2002 live miterlebt.

Ich, damals 23 Jahre alt, veranstaltete am 17. Juni 1995 ein Heavy Metal Festival mit Bands wie Biohazard, Dog Eat Dog, Such a Surge und vielen anderen zu dieser Zeit angesagten Bands - welche auch zu meinen damaligen „Heroes" gehörten.

Ich hatte damals in meinen jungen Jahren mit Toni Walzer bereits einen der größten Österreichischen Veranstalter als meinen ständigen Geschäftspartner.  Wir organisierten gemeinsam Tourneen mit den bekanntesten Kabarettisten und Schlagerstars des deutschsprachigen Raumes, Verdi-Opern, Musicals etc., sowie viele große internationale Rockbands wie Deep Purple, Slayer, Ice-T & Bodycount und viele andere.

Da ich so stolz auf mein „Underground-Festival" war - der Name entstand übrigens aufgrund meines damaligen Rock Cafes „Underground", eine der legendärsten Szenebars die Österreich je gehabt hat (schwarze Wände, weißer Marmor und sehr, sehr harte Musik ... ) - lud ich Toni Walzer dazu ein.

Wie es sich bei einem perfekten Metal Festival gehört, hatte ich natürlich auch eine Händlermeile mit Tätowierern, Piercern und Schmuckhändlern. Die Stände waren sehr stark frequentiert und Toni fragte mich, warum wir nicht einfach die Stände ohne Live Musik in eine Halle bauen und Eintritt kassieren würde. Ich schaute ihn kurz verwundert an und binnen Sekunden schoss mir das vollständige Konzept in mein damals noch „relativ" unverbrauchtes Gehirn. Nur ein paar Stände in irgendeiner kleinen Halle waren mir jedoch zu wenig. Ich sagte okay, wir brauchen mindestens 2.000 qm Fläche, 50 bis 60 Aussteller, die alles anbieten, was auf dem ausgeflippten Markt zu haben ist und was man nicht jeden Tag und in jeder Stadt kaufen kann, und dann noch sexy Girls, die Crazy Fashion und erotische Mode vorführen.

Einen großen Teil der Wildstyle sollte natürlich meine auch damals schon sehr große Leidenschaft TATTOOS ausmachen. Wichtig war mir, dass ich das Tätowieren allgemein nun in einer ganz neuen Form einer breiten Öffentlichkeit präsentieren konnte. Die Leute zum Umdenken zu bewegen, zu überzeugen, daß Tattoos nicht nur Kriminelle, sondern auch eine breite Masse interessieren. Wie oft hatte ich Probleme, als ich mir 1990 als 18jähriger mein erstes Teil stechen ließ. Natürlich war ich immer schon ein „Local-Rebel", ging auch zu wichtigen Terminen generell in T-Shirts, um meine Tattoos zu zeigen... Damals wollte ich, so wie die meisten anderen, natürlich in erster Linie provozieren. Mit Kunst hatten wir noch nicht viel am Hut. Mit diesem Projekt aber wollten wir ganz gezielt Tattoos gesellschaftsfähig machen - was auch gelingen sollte.

Piercing war ebenfalls gerade im Kommen und passte natürlich perfekt ins Konzept. Irgend etwas fehlte mir noch, irgendein besonderes „Schmankerl". Eine interessante Show, eventuell sogar aus den Staaten, eine Freak- bzw. Sideshow musste es sein. Feuer. Nägel in die Nase hämmern und so weiter... Sideshows haben eine jahrhundertslange Tradition, waren in Europa und vor allem in Österreich aber vorher noch nicht zu sehen. Auch ich hatte Shows dieser Art vorher noch nicht live gesehen. So ging es damals wohl jedem, der diese Freaks erstmals live on Stage zu sehen bekam. Inklusive der Polizei, als das „verrückte Pärchen" dem prüden Österreichischen Publikum „Anal-Feuerspucken“ (am Sonntagnachmittag wohlgemerkt) vorführte. Ich fiel natürlich aus allen Wolken, hatte ich doch der Welser Messegesellschaft, von der wir die Hallen mieteten, hoch und heilig versprochen, dass es keine „schlimmen" Sachen geben würde.

Die Sideshow vermittelte Clayton Patterson. Auf Clayton war ich im Zuge meiner Recherchen rein zufällig gestossen. Clayton war es auch, der mir Steve Bonge, seines Zeichens ebenfalls Underground-Fotograf und New Yorker Hells Angel, empfohlen hat. Hells Angels, wow! Schon als kleiner Junge hatte ich einen selbstgemalten Hells Angels - (damals für mich noch Hels Engels) - Sticker auf mein Fahrrad geklebt und dieses zu einer Chopper umfunk­tioniert. Und nun wollte eines der berühmtesten Hells-Angels-Mitglieder zu meiner Veranstaltung kommen. Sensationell! Steve und Clayton mochten das Konzept und spürten damals schon das große Potenzial dieser Show. The concept works, dachte ich mir und lud Clayton und Steve endgültig zur 1. Wildstyle & Tattoo Messe ein. Beide präsentierten Bilder und Videos vom New Yorker Underground. Sehenswerte Werke, aus denen noch andere Projekte entstehen sollten - u.a. 2002 Clayton Patterson „...from the Underground and Below...", eine DVD und Buch-Serie, die hoffentlich auch viele Fortsetzungen finden wird.

Das Konzept der Wildstyle stand. Innerhalb von drei Tagen hatte ich das Konzept zu Papier gebracht und begann fast europaweit nach Ausstellern zu suchen.

Das Feedback der möglichen Aussteller war enorm. Die meisten waren von der Idee begeistert und sofort Feuer und Flamme. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich schon, dass wir hier ein sehr, sehr großes Ding in Reserve hatten. Als wir dann 5 Wochen vor der Veranstaltung die Werbung starteten war mir endgültig klar: That's it, baby! Radio- und TV-Stationen aus dem In- und Ausland kontaktierten und bombardierten uns mit Fragen; alle wollten wissen, was da auf Österreich und die Welt zukommen würde. Wir bekamen Promotion im gesamten deutschsprachigen Raum und ein Feedback, das wir uns nie und nimmer erwartet hatten. Im Gegenteil, sogar einige Szenegrößen wie z.B. Bernie Luther wünschten mir zwar alles Gute, doch konnte sich zu dieser Zeit niemand ein erfolgreiches Tattoo-Projekt in Österreich sowie kommerzielle Werbemöglichkeiten vorstellen.

Ich weiß nicht warum, aber irgendwie spürte ich, dass dieses Konzept ein Riesenerfolg werden könnte. Natürlich machte ich mir auch Sorgen. Die Kosten stiegen ständig, die Behörden wurden immer komplizierter, die Messegesellschaft wurde immer nervöser und machte sich um den Ruf ihrer heiligen Hallen Sorgen und nicht einmal die wichtigsten österreichischen Szenevertreter konnten sich einen Erfolg vorstellen. Letztendlich stiegen die Kosten auf über eine Million Schilling (heute ca. 75.000,- Euro) und das für eine völlig neuartige Show... Aber die Show musste starten! Und sie startete auch.

Den Riesenerfolg sp�rte ich irgendwie, und so kam es dann auch. Der Tag der Wahrheit war gekommen. 3. November 1995, 10 Uhr Vormittag, die Eröffnung der 1. Wildstyle & Tattoo Messe. Die Besucher kamen, sie kamen in Massen. Und bereits am Freitagabend standen sie bei den Kassen Schlange. Wir hatten riskiert, wir hatten sehr viel riskiert, eigentlich die Existenz unserer Firma aber wir hatten das Glück des Tüchtigen! Am Samstag, den 4. November 1995 ab ca. 15 Uhr bis spät abends standen die Besucher in ca. 50m langen Viererreihen, um an die Tickets zu kommen, spätestens da war klar - wir haben es mit diesem eigenwilligen, einzigartigen und völlig neuartigen Konzept geschafft.

Ein Siegeszug und eine Welle des Erfolges durch die größten und schönsten Hallen halb Europas nahm seinen Lauf.

EINE NEUE IDEE WAR GEBOREN!

Eine Idee die ich großteils mit meinem Herzen umsetzte. Endlich konnte ich einer breiten Bevölkerung mein Lebensmotto nahe bringen: Tattoos, freakiges Outfit, schöne Mädchen, extreme Performance und alles was dazu gehört, um den Sinn des Lebens zu finden - nämlich:

Spaß zu haben!

Publiziert in: Wildstyle, hrsg. von Clayton Patterson & Jochen Auer, Wien 2003

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PUBLIKATION:

WILDSTYLE - The History of a New Idea
Edited by Clayton Patterson and Jochen Auer
Hardcover | 176 pages | 33,5 x 23,5 cm
Unique Publications | Vienna 2003
Photos: Clayton Patterson in collaboration with Elsa Rensaa,
and Michael Auer
Text design in collaboration with Scan Vazquez,
Alexander „Xutsch" Preisch, and Beate Kolbinger
Translations: Sibylle Scheuchl-Vazquez,
Alexander „Xutsch" Preisch
Layout and Design: Markus Hirnböck (Tattoos To The Max)
Final editing and corrections: Florian Sedmak
Printer: Odysseus, 1230 Wien, www.odysseus-print.at
© 2003 by Clayton Patterson & Jochen Auer
www.unique-entertainment.cc • www.triplextattoo.com •
www.tattoostothemax.at
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©  http://patterson.no-art.info/activities/2010-10-09_wildstyle-de.html